eSeL.at – Kulturplattform

Mehr Programm, mehr Daten, mehr Möglichkeiten: Der Relaunch von eSeL.at macht aus einem Insider-Tool eine Plattform für alle, die sich in der Kunstszene orientieren wollen.

Year
2024
Category
Website

Kontext

Der eSeL ist nicht nur ein Maultier, sondern auch ein zentrales Informationsportal für die Wiener Kunstszene und präsentiert Veranstaltungen der großen Institutionen und der freien Szene.

Ein neues Datenmodell, entwickelt für das Veranstaltungsarchiv als digitales Kulturerbe, machte es erstmals möglich, das volle Spektrum abzubilden: von Festivalprogrammen über Programmkinos bis zu Durational Performances in unbekannten Locations.

Es war meine Aufgabe, diese Komplexität nutzbar zu machen und die Plattform für breitere Zielgruppen zu öffnen.

Aber mehr Daten bedeuten nicht automatisch bessere Orientierung.

Ansatz

Um meine eigenen – gelegentlich falschen – Annahmen zu überprüfen und die Nutzer*innen der Seite kennenzulernen, habe ich eine Umfrage initiiert, an der 130 Personen teilnahmen.

Dadurch zeigte sich, dass eSeL.at geschätzt und als verlässliche, unabhängige Ressource wahrgenommen wird. Bemängelt wurden: unklare Kategorien mit Tiernamen, verbesserungsfähige Navigation, eine fehlende Suchfunktion, Filter- und Sortierungsmöglichkeiten.

Siehe da: Der eSeL hatte Probleme mit »IA«, der Information Architecture.

Erste Orientierung im Kunstdschungel

Die Programmerweiterung bedeutete noch mehr Inhalte für eine Seite, deren Inhalte bereits schwer zu erfassen waren. Veranstaltungen die, im Gegensatz zu Bibliotheken von Streamingdiensten, völlig unterschiedlich sein können.

Das Vertrauen in eine unabhängige Plattform wollte ich nutzen. Daraus entstand die Idee eines redaktionellen Leitsystems, das gezielt und etwas persönlicher durch das Programm führt.

Die Umfrageergebnisse halfen dabei, vier Geschmacksrichtungen zu definieren: Insider, Alle, Kinder und Communitys. Für jede entstanden eigene Schwerpunktbereiche mit redaktionellen Kommentaren, die kurz erklären warum ein Event besonders interessant ist. Die selben Inhalte speisen wöchentliche Highlights für Newsletter und Instagram.

Ein farbcodiertes Highlighting-System, das sich von der sonst monochromen Seite abhebt, macht diese Empfehlungen im Interface sichtbar und zieht sich durch das gesamte Programm. Eine Zeit lang waren die Gruppen zusätzlich mit Tieren codiert – grundsätzlich charmant und gewitzt-eSeLig, aber letztlich ein unnötiger Umweg in der bereits schwierigen Orientierung.

Viele Wege müssen zum Ziel führen

Der »Terminkalender«, geliebt wegen seiner Einfachheit, war ein Feed, der alle Veranstaltungen pro Tag anzeigte und die einzige Möglichkeit auf der alten Website nach Veranstaltungen zu suchen.

Hier lag ein verborgenes Problem: Eine Vielzahl an Dauerprogrammen konkurriert jeden Tag mit einzelnen, oft aufregenderen Programmpunkten wie Eröffnungen, Premieren oder Talks im Rahmen anderer Veranstaltungen.

Der neue Terminkalender bietet neben ausgebauten Filtermöglichkeiten Tipps zum Einstieg ins Tagesgeschehen und Sektionen, die sich bequemer als YouTube Shorts ausblenden oder erweitern lassen.

Zusätzlich wurden neue Programmseiten für die Schwerpunkte Ausstellungen, Kino, Bühne und Festivals entwickelt. Hier kann man sich im laufenden Programm der Stadt orientieren, filtern und sortieren. Und zwar ohne dass viele kleine Termine die Übersicht trüben oder alles an einen Tag gebunden ist.

Und für alle, die bereits wissen, wonach sie suchen: eine seitenweite, längst überfällige Suchfunktion.

Komplexität braucht Struktur

Das neue Datenmodell brachte enorme Tiefe mit sich: Laufzeiten, Mehrfachtermine und verschachteltes Rahmenprogramm, das es in sich hat. Es war mein Anspruch, diese Art von Komplexität gut erfassbar zu machen.

Dafür gab es zwei Lösungen. Einerseits aussagekräftige, kontextabhängige Eventcards, die Tags und redaktionelle Tipps gut sichtbar machen. Andererseits eine übersichtliche Programmdarstellung, die es ermöglicht, verschachteltes Festivalprogramm ebenso wie repetitives Kinoprogramm verständlich darzustellen. Das war nicht einfach.

Ergebnis

Ein Interface, das die Tiefe des Wiener Kulturprogramms greifbar macht und ein UX-Konzept, das unterschiedliche Nutzer*innen begleitet, ohne sie zu überfordern.

Rund 8.000 Events mit gut 20.000 Showtimes pro Jahr sind strukturiert erfassbar, mit Theater und Programmkino als neu erschlossenen Programmbereichen.

Aufgrund des Projektcharakters konnte ich die Implementierung meines Designsystems nicht im vollen Umfang begleiten.

Learnings

Kunstformate sind nicht genormt – und das ist gut so. Die Tiefe des Datenmodells machte mehrere Vereinfachungen notwendig: in der Struktur, im Interface und in der Sprache.

Sprache ist ein zentrales UX-Element – Begriffe entscheiden darüber, ob Inhalte verstanden werden oder nicht.

Figma-Prototypen sind schön – aber sinnlos, wenn man ein datengetriebenes System testen möchte. Wenn Backend und redaktionelle Prozesse Teil des Systems sind, muss man das ganze System testen.